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Regenerative Medizin
 
Die Regenerative Medizin (v. lat. regeneratio = Neuentstehung) ist ein Bereich der Biomedizin, der seit Jahren ein fundamentaler Bestandteil der Orthopädie und Chirurgie beim Pferd ist. Mit Hilfe wissenschaftlich fundierter Methoden sollen die im Laufe der Zeit „abgenutzten“ bzw. geschädigten Zellen, Organe und Gewebe bei ihrer Regeneration unterstützt werden. Dabei wird die Ausheilung des pathologisch veränderten Gewebes mittels verschiedenster Verfahren unterstützt. In der Pferdeorthopädie kann die regenerative Medizin entweder flankierend und ergänzend nach Operationen, aber auch als Einzeltherapie eingesetzt werden. Insbesondere bei chronischen und wiederkehrenden Gelenk-, Rücken-, Knorpel-, Band- und Sehnenverletzungen stellt sie ein nicht-invasives Therapieverfahren dar. In der Pferdeklinik Aschheim werden folgende regenerative Therapien je nach Indikationsstellung eingesetzt:

Zelluläre und medikamentelle Regenerationsmethoden:

 - Stammzelltherapie
In unserer Klinik wir das weltweit einzigartige Verfahren der ambulanten Stammzelltherapie eingesetzt. Hierbei wird Fettgewebe durch Liposuktion - ähnlich der plastischen Chirurgie in der Humanmedizin -  mittels einer speziellen Nadel aus dem Schweifansatz gewonnen und erfordert daher weder eine Punktion des Brustbeines noch einen großen Hautschnitt. Die Zellen werden dann umgehend im hauseigenen Labor innerhalb von ca. 90 Minuten steril aufbereitet und sind dann sofort einsatzbereit. Im Gegensatz zu anderen Methoden ist eine „künstliche Anzüchtung“ der Stammzellen im Reagenzglas ist nicht mehr erforderlich. Vielmehr reifen die applizierten Stammzellen direkt im Körper auf „natürlicher Weise“ heran und sind auf das zu regenerierende Gewebe „programmiert“. Damit ist eine ambulante oder auch eine sofortige intraoperative Verabreichung möglich. Dieses weltweit einzigartige Verfahren wurde durch deutsche Forscher in den USA etabliert und kommt, z.B. auch am ISAR Klinikum München zur Therapie bei Fußball- oder Tennisspielern regelmäßig zum Einsatz. Stammzellen werden hauptsächlich zur Regeneration von Knorpel, Knochen, Menisken, Kreuzbändern und Arthrosen erfolgreich eingesetzt.

 - PRP (Platelet Rich Plasma) – Thrombozytenreiches Plasma
Thrombozyten sind die Blutplättchen des Körpers und hauptsächlich für die Gerinnung verantwortlich. In einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien wurde bewiesen, dass bestimmte Granula dieser Blutzellen angereichert sind mit verschiedenen Wachstumsfaktoren (IGF, EGF, PDGF, TGF etc.), welche bei der Regeneration eine wichtige Rolle spielen. Wenn diese Blutzellbestandteile durch Aktivierung zum Degranulieren gebracht werden können, setzen sie die konzentrierten biologischen Faktoren frei. Dieses thrombozytenreiche Plasma wird entweder mittels spezieller Zentrifugations- oder Filtrationssysteme steril aus dem Blut des Patienten gewonnen und wird anschließend zusammen mit einem Aktivator sofort in das erkrankte Gewebe verabreicht. Der Präparationsprozess dauert ca. 20 Minuten und erfordert keinen operativen Eingriff. PRP wird überwiegend zur Regeneration von Sehnen, Bändern und Menisken aber auch Wundheilungsstörungen ambulant oder intraoperativ erfolgreich verabreicht. PRP wirkt auch schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend.

 - Bisphosphonate (Osphos®, Tildren®)
Bisphosphonate sind Ester und Salze der Medronsäure. Sie können von knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) aufgenommen werden, führen zu deren Lebensverkürzung und tragen damit zur Verringerung des Knochenabbaus bei. In der Humanmedizin werden sie daher zur Behandlung von Knochenstoffwechselerkrankungen (z.B. Osteoporose und Knochenödemen) eingesetzt. In der Pferdeorthopädie werden Bisphosphonate flankierend zur Behandlung von Knochenödemen aber auch zur Linderung der Symptome von Hufrollenerkrankungen und Arthrosen eingesetzt. Für Pferde sind Tiludronsäure (Tildren®) und Clodronsäre (Osphos®) zugelassen und werden entweder über Infusionen oder Injektion ambulant verabreicht. Es ist kein operativer Eingriff notwendig. Die Behandlungen mit Bisphosphonaten kann bei Bedarf mehrere Male wiederholt werden.

 - IRAP (Interleukin 1 Rezeptor Antagonist)
Bei akuten und chronischen Gelenkentzündungen werden bestimmte Mediatoren (wie z.B. Interleukin 1) freigesetzt, welche die Entzündung initiiert bzw. weiter beschleunigt und somit zu einer weiteren Degeneration des betroffenen Gelenks führt. Um die Entzündungskaskade zu entfalten, muss Interleukin 1 an einen spezifischen Rezeptor, den sogenannten Interleukin1 Rezeptor, andocken. Durch Blockade dieses Rezeptors kann folglich eine weitere Entzündung abgeschwächt werden – auf diesem Prinzip basiert IRAP (Interleukin 1 Rezeptor Antagonist). Hierzu wird Blut vom Patienten steril gewonnen und anschließend in einem speziellen Verfahren über Nacht bearbeitet. Es handelt sich so um eine Eigenblutbehandlung und erfordert keinen operativen Eingriff. Das gewonnene Orthobiologikum kann am Folgetag ins das erkrankte Gelenk appliziert werden und Überstände können für spätere Behandlungen konserviert werden. Somit kann die gesamte Behandlung nicht ambulant am selben Tag erfolgen. Analog zur Humanmedizin wird in der Pferdeorthopädie IRAP vornehmlich zur Behandlung von Gelenkentzündungen, ggf. auch von Sehnenscheidenentzündungen, erfolgreich eingesetzt oder flankierend intraoperativ injiziert werden.

 - ACP (Autologous Conditioned Plasma)
Autolog konditioniertes Plasma wird steril vom Blut des Patienten mittels eines Zentrifugationsprozesses gewonnen und stellt damit auch eine Eigenbluttherapie dar – es ist kein operativer Eingriff erforderlich. Während der Bearbeitung werden ebenfalls Blutplättchen angereichert, welche anschließend in die betroffenen Gewebe appliziert werden um ihre Wachstumsfaktoren lokal abzugeben. Diese Therapie kann ambulant bei uns in der Klinik durchgeführt werden und wird überwiegend zur Linderung von Sehnen- und Bandproblemen bei Pferden eingesetzt.

 - Hyaluronsäure (HA)
Hyaluronsäure ist ein Glukosaminoglykan (langkettiges Polysaccharid mit hohem Molekulargewicht) und einer der Hauptbestandteile der Gelenkschmiere. Durch ihre Viskosität ermöglicht Hyaluronsäure eine reibungsarme Bewegung des Gelenks und verringert damit den Abrieb des Knorpels. Bei Arthrosen kommt es zu einem progressiven Verlust dieser Säure und damit zum „Austrocknen“ des Gelenkes. Folglich erhöht sich der Abrieb und die Arthrose kann fortschreiten. Betroffenen Gelenke sollten mit Hyaluronsäure z.T. in regelmäßigen Abständen behandelt werden. Weiterhin werden Hyaluronsäure entzündungsmodulierende Wirkungen nachgesagt. Hyaluronsäure wird fast ausschließlich als Gelenktherapeutikum eingesetzt.  Zwar kann es intravenös gegeben werden, sollte aber bei fortgeschrittener Arthrose vorrangig intraartikulär als hochmolekulare Substanz verabreicht werden. Die Gelenkbehandlung kann ambulant durchgeführt werden, erfordert keine Operation, kann aber auch zur postoperativen Nachbehandlung sinnvoll sein.

Technische Verfahren:

 - Magnetresonanztherapie – Therapeutisches Kernspin (MBST® Kernspin)
Die KernspinResonanzTherapie ist ein nicht-invasives in der Humanmedizin wissenschaftlich belegtes, seit über 15 Jahren etabliertes und 200.000-fach angewendetes Verfahren zur Behandlung von orthopädischen Problemen, wie z.B. Arthrose, Osteoporose, Sportverletzungen, Knorpel-/Bandscheibenschäden bzw. Knochenstoffwechselstörungen. Es beruht auf regenerative Zellstimulation. Es darf nicht mit der wissenschaftlich umstrittenen Magnetfeldtherapie verwechselt werden. Neben den therapeutischen Indikationen wird es aktuell auch im Hochleitungssport, wie z.B. Fußball, Tennis etc. zur natürlichen Regeneration und Prophylaxe eingesetzt. Beim therapeutischen Kernspin macht man sich die Eigenschaften von Wasserstoffatomen zu nutze, die sowohl aus Neutronen als auch Protonen bestehen. Letztere können in Resonanz treten. Wird an das zu behandelnde Gewebe äußerlich ein Kernspinfeld angelegt, richten sich die Wasserstoffkerne entsprechend aus und nehmen die verabreichte Energie auf. Nach Abschaltung des Kernspinfeldes gehen die Wasserstoffkerne in ihren Ursprungszustand zurück und geben die aufgenommene Energie an die umgehenden Zellen wieder ab (Relaxation) und führen zu einer regenerativen Zellstimulation. Somit wird den degenerierten Zellen sowohl eine Energieaufnahme als auch -abgabe ermöglicht – der Zellstoffwechsel wird natürlich angeregt. Als eine der wenigen Pferdekliniken Deutschlands setzen wir diese Behandlung exklusiv zur Regeneration von Knochen-, Knorpel-, Kreuzband- und Meniskuserkrankungen ein. Die KernspinResonanzTherapie wird sowohl postoperativ flankierend zur schnelleren Rekonvaleszenz, aber auch alternativ für operationsunwürdige Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates beim Pferd, wie z.B. Knochenödemen, Rückenproblemen oder Arthrose eingesetzt. Eine Behandlung erfolgt, je nach Indikationsstellung, stationär über 60 Minuten an 5-9 aufeinanderfolgenden Tagen. Im Gegensatz zur Stoßwelle werden keinerlei Geräusche generiert und ist auch deshalb für Pferde sehr geeignet.

 - Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)
Stoßwellen sind energetische Druckwellen, die seit über 20 Jahren erfolgreich zur Behandlung von Knochen- und Sehnenproblemen eingesetzt wird. In der Pferdeorthopädie wird die ESWT bei verzögerter Knochenheilung, Überbeinen, Sehnen- aber auch Rückenproblemen eingesetzt. ESWT wird eine schmerzlindernde und zellanregende Wirkung zugeschrieben. Bei Pferden sollte die ESWT, je nach betroffenem Gewebe sowie Grad und Lokalisation der Erkrankung, im Abstand von 1-2 Wochen 3-4 Mal wiederholt werden. Diese  nicht-invasive Behandlung kann ambulant erfolgen, kann ggf. aber aufgrund der Geräuschkulisse eine Sedation erfordern.